Oh Liebe, du mannigfaltige
16. November 2008
Liebe ist nicht gleich Liebe. Nichts neues, nicht wahr? Ich will jetzt aber nicht von den Unterschieden zwischen Schwester-, Mutter-, Freundschafts- und Partnerschaftsliebe reden. Es gibt auch innerhalb der Liebe, die Frau und Mann in einer Partnerschaft gegeneinander erbringen, viele und tiefgreifende Unterschiede.
Hier nur einer davon, der sich vor allem in der Äußerung des Liebens und deren Erwartungen beider Seiten unterscheidet:
Sie: Sie sagt ihrem Mann oft, dass sie ihn liebt. Sie lobt ihn häufig und möchte immer und überall mit ihm an ihrer Seite erscheinen. Familie soll gesehen werden, außen wie innen. Sie kann ohne ihn nicht mehr sein, so glaubt sie zu fühlen und beteuert es ihm immer wieder. Gleichzeitig erwartet sie diese Gesten und Äußerungen auch von ihrem Partner und ist, sobald sie eine derartige Liebeserklärung hört, im sprichwörtlichen siebten Himmel.
Er: Er ist der stille Typ, spricht nicht sehr viel über Gefühle. Dennoch kann er aufrichtig lieben, und äußert dies auch auf seine Weise: er ist immer für sie da, opfert sich bereitwillig, macht Dinge, die ihn eigentlich ärgern, nerven oder langweilen, nur damit sie sich besser fühlt. Er steht früher auf, auch wenn er mal schlecht geschlafen hat, um sich wartenden Arbeiten anzunehmen, damit sie noch eine Runde länger schlafen kann. All dies tut er für sie und erwartet dafür auch ein kleines Stück Anerkennung. Er möchte, dass sie die wenigen ihr gebliebenen Aufgaben gewissenhaft durchführt, er erwartet Gewissenhaftigkeit. Bei ihm zählt die Zusammenarbeit, das füreinander da sein. Die Worte bedeuten ihm nicht viel. Das ist der Grund, warum sie von ihm nur selten zu hören bekommt, dass er sie liebt.
Die Unterschiede gehen sogar soweit, dass er von den ganzen Liebesbekundungen genervt ist, weil er sie dauernd hört. Auch dann, wenn sie ihn enttäuscht, wenn sie nicht hinter ihm steht, wenn sie in einfach nur alleine arbeiten lässt. Sie andererseits empfindet ihn als zunehmend kälter werdend. Ein Eisbrocken gar, der sie behandelt wie eine Skulptur, die er zur Verzierung in der Wohnung stehen hat. So glaubt sie, dass er sie immer weniger liebt, und er ebenso. Die Bereitschaft, Liebe aktiv und aufopfernd weiter zu leben schrumpft und geht endlich ganz verloren. Getötet letztlich durch unterschiedliche Erwartungen.
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