Der magische Po

12. Mai 2008

Ich trete nachmittags in die Kneipe. Ungewöhnliche Zeit, ich habe auch nicht die gewöhnliche Absicht. Ich will sie als Fast-Food-Drivethrough missbrauchen. Vor dem Tresen ist wie erwartet jeder Hocker unbesetzt und auch sonst sehe ich niemanden. Hinter dem Tresen aber ist eine nicht hochgewachsene, schlanke Bardame. Sie lächelt, wir begrüßen uns und ich bestelle gleich mein Baguette zum mitnehmen. Sie quittiert die Bestellung und geht in die Küche, wo sie den Auftrag weitergibt. Ich schnappe mir einen Hocker, setze mich hin und blättere in der aktuellen Ausgabe des Spiegel, auf deren Titelblatt mich der Dalai Lama nicht annähernd so schön angrinst, wie das Mädchen gegenüber.

Im Spiegel komme ich nicht weit. Ich überfliege die Leserbriefe zu dem Amstettener Inzestfall, bleibe bei einigen hängen und teile die Empörung. Das Barmädchen dreht mir den Rücken zu und beschäftigt sich mit ihrer Kasse, in die sie fleißig einiges eintippt. Die schwarze Schürze, die sie vornherum gebunden hat, endet seitlich an ihrer Hüfte und so ist der Blick auf ihren beeindruckenden Po in ihrer blauen Jeans frei. Ich vergesse die Leserbriefe und verliere mich in diesen beiden Backen. Ich bin begeistert und wünsche mir meine Hände dahin. Sehr prall sieht er aus und es benötigte sicher ein wenig Druck, um ihn einzudrücken. Kneten sagt man dazu, find ich aber doof.

Sie dreht sich um, ich lese weiter über die Unverständlichkeit eines auf seine Triebe reduzierten Menschen.

Allerdings war dies nur eine kurze Pause, sie wendet sich gleich wieder der Kasse zu, und ich bin wieder gefangen. Gerne würde ich ihr ein Kompliment machen, würde ihr einen schönen Po bescheinigen, aber ich tue es nicht. Bestimmt ärgert sie sich, wie sich alle Frauen ärgern, denen man Komplimente über vermeintlich intime Bereiche macht, ohne dass man eine gewisse zwischenmenschliche Grenze überschritten hat.

Als Dank für mein Schweigen erhalte ich zum Abschied ein herzlich warmes Lächeln und gehe, nachdem ich ein ebensolches erwiderte, auf die Straße und habe einen schönen Tagtraum zu meinem Baguette kostenfrei dazu erhalten.

So steigert man die Kundenzufriedenheit!

Entry Filed under: Maskulat. .

3 Comments Add your own

  • 1. rogerrabbit  |  13. Mai 2008 at 13:20

    Die fehlende zwischenmenschliche Grenze verhindert so einige Fettnäpfchen, in die man treten könnte. ;-)

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  • 2. teteron  |  13. Mai 2008 at 13:36

    Das ist richtig, so ist es – leider. Die Frage lautet: warum ist das ein Fettnäpfchen? Ein Kompliment zu ihrem Ohrring oder zu ihrer Frisur wäre ja zum Beispiel ok gewesen. Wenn ihr Po nun mal so toll ist, wieso kein Kompliment dazu?
    Frauen kriegen doch gerne zwischendurch etwas positives gesagt. Mal angenommen, eine Dame ist unglücklicherweise potthässlich bis auf ein Detail, ihren Arsch. (Ob’s das gibt? Keine Ahnung *g*) Die bekommt dann wegen der gesellschaftlich gelebten zwischenmenschlichen Grenze nie Komplimente!?!

    Antworten
  • 3. zores  |  16. Mai 2008 at 1:31

    na ja, zum abschied ein „bye knackarsch“ wär’ wohl etwas zu fettig gewesen ;-)

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